Susanne Schädlich im Salon KMB

„Briefe ohne Unterschrift"

Wie eine BBC Sendung die DDR herausforderte

Lesung und Gespräch mit Susanne Schädlich

Moderation Knut Elstermann (radio eins) und dem Zeitzeugen Karl-Heinz Borchardt

 

 

Wiederentdeckung eines einzigartigen und vergessenen Stücks Zeitgeschichte

 

Sie schreiben Briefe und gehen ein hohes Risiko ein. Adressat: BBC London. 1949 startet die britische Rundfunksendung „Briefe ohne Unterschrift“, in der anonyme Zuschriften von DDR-Bürgern verlesen werden. Susanne Schädlich entdeckte diese einzigartigen Zeitdokumente und erzählt nun von den britischen Journalisten, die der DDR die Stirn boten.

„Big Ben hat sieben Uhr geschlagen.“ – Immer freitagabends, von 1949 bis 1974, hatte die BBC eine besondere Verabredung mit den Menschen in der DDR. Im Radio konnten sie eine Sendung hören, in der anonyme Briefe verlesen wurden – von Studenten, Akademikern, Rentnern, Arbeitern, Angestellten, Bauern, Schülern. Für viele die einzige Möglichkeit, frei zu reden. Am Ende jeder Sendung wurden von Woche zu Woche wechselnde Westberliner Adressen genannt, an die die Briefe geschickt werden konnten: „Schreiben Sie uns, wo immer Sie sind, was Sie auf dem Herzen haben.“

Mitreißend erzählt Susanne Schädlich von der Entdeckung der über vierzig Jahre verschollen geglaubten Briefe. Enthüllt mit detektivischem Gespür die dramatischen Schicksale und deckt die perfiden Pläne der Stasi auf, mit denen die BBC-Journalisten und Briefeschreiber zum Schweigen gebracht werden sollten. Dieses Buch zeigt ein beeindruckendes Gesellschaftspanorama der DDR aus der Perspektive der Bürger, den großen Unmut und Widerstand, der von Anfang an da war. Vor allem aber setzt es den mutigen Absendern ein Denkmal, die der gnadenlosen Nachverfolgung durch die Stasi zum Opfer fielen.


Susanne Schädlich, geboren 1965 in Jena, ist Schriftstellerin und Übersetzerin. 2009 veröffentlichte sie den Bestseller „Immer wieder Dezember – Der Westen, die Stasi, der Onkel und ich“. Für ihr Buch „Westwärts, so weit es nur geht“ erhielt sie 2015 den Seume-Literaturpreis. Susanne Schädlich lebt in Berlin.

 

Bild: © Susanne Schleyer